Im Juni fand der diesjährige Ostseetörn mit Vereinsmitgliedern
nach Bornholm, den Erbseninseln und Rügen/Hiddensee statt. Bei meist gutem Segelwetter war die Crew stets in bester Stimmung. Die Landausflüge und besonders die Erbseninseln blieben in schöner Erinnerung.

Ostseetörn nach Rügen und Bornholm 2008

von Fr. 06.06. bis Fr. 20.06.2008 mit der MuM- Crew (rvo)

 

Logbuch : Segelyacht Pauli, Bavaria 38 Holliday – Greifswald (Ecosail)

Sa. 07.06. Greifswald – Lauterbach, 16 sm, gutes Segelwetter, NNE 3,
von 10:30 bis 14:45 Uhr

So. 08.06. Lauterbach – Sassnitz, 32 sm, gutes Segelwetter, NE 2-3, NW 3,
von 09:30 bis 17:55 Uhr, zeitweise Seenebel

Mo.09.06. Sassnitz – Rönne/Norrekas, 52 sm, gutes Segelwetter, zunehmend NW 5, von 06:30 bis 16:20 Uhr

Di.+ Mi. Hafentage in Rönne und Landausflüge nach Snogebaek, Svaneke im Südosten der Insel und zur Festung Hammershus im Norden.
Die Windvorhersagen mit Meldungen bis W 7-8 ließen das ratsam erscheinen.

Do.12.06. Rönne/Norrekas – Allinge, 17 sm, gutes Segelwetter, W 5-6,
von 14:30 bis 18:00 Uhr, kein Empfang Kanal 66! (DP07)

Fr.13.06. Allinge – Christiansö, 13 sm, gutes Segelwetter, SW-W 2-3,
von 09:15 bis 13:35 Uhr, 1 Fender wieder geborgen

Sa.14.06. Christiansö – Nexö, 16 sm, gutes Segelwetter W 4-5,
von 08:00 bis 11:20 Uhr, das Hafengeld wird im Supermarkt am Hafen entrichtet.

So. 15.06. Nexö – Lohme, 72 sm, SW-S 4-5, Gewitterböen
von 05:20 bis 21:05 Uhr, 27 sm unter Motor

Mo. 16.06. Lohme – Vitte (Lange Ort), 30 sm, gutes Segelwetter, W-SW 4-5,
von 10:30 bis 19:30 Uhr (fest. i. Fw. n. Kloster)

Di. 17.06. Vitte – Stralsund, 15 sm, W um 4, gutes Wetter
von 13:45 bis 17:35 Uhr

Mi. 18.06. Hafentag in Stralsund mit Stadtbesichtigung

Do. 19.06. Stralsund – Greifswald, 25 sm, uml. S-SW 2-3, später S-SW 4-5,
von 08:05 bis 14:15 Uhr

Summe: 288 sm; Motorstunden: 23

Anreise und Einscheck am Freitag, den 06.Juni 2008. Wir konnten abends an Bord gehen und auf der Yacht übernachten. Der Service von Ecosail war freundlich. In einigen technischen Details blieben aber Fragen . Das betraf insbesondere die Anwendung der Ankerwinsch , Problemlösung für das Einbau- GPS und die Frage, von wo aus der Tiefgang mit den Instrumenten gemessen wird . Das Radar wurde nicht eingeschaltet, „da es im Hafen nur einen Haufen von Signalen gibt“. Die Funktion des Radar wurde nicht weiter erwähnt. Das sollte sich später noch als Fehler erweisen.

Auslaufen am Samstag, den 07.Juni 10:30 Uhr, Brücke Wieck um 11:15 Uhr passiert und mobiles GPS am Kai von Ecosail in Empfang genommen. Das Einbau-GPS konnte nicht funktionsfähig gemacht werden. Mit gesetzten Segeln wurde zunächst im Tonnenstrich und dann bei gutem Segelwetter und blauem Himmel bei NNE 3 direkt Kurs auf Lauterbach und die Insel Vilm im westlichen Greifswalder Bodden auf Rügen genommen. Kurz vor der Einfahrt zum Yachthafen Segel bergen und mit Motor in den Hafen (im –jaich marina), wo wir gegen 14:25 Uhr festgemacht haben. Der erste Steg:B65 zeigte Probleme mit der Stromversorgung und nach etlichen Aktionen zur Problemfindung wurde erkannt, dass es ein Problem der Steganlage war und so wurde die Pauli an den gegenüberliegenden Steg A48 verholt, wo dann der Landstrom ohne Probleme verfügbar war. Die Anlage machte aber sonst einen guten Eindruck, wie auch der Zustand der Sanitärbereiche. Nach dem Essen an Bord folgte ein Gang in den Ort Lauterbach, der in ein Hafenrestaurant mit Außenterrasse und Blick auf den Bodden führte. Dort ließ sich die Crew für ein kühles Bier nieder. Lauterbach hat sich seit unserem letzten Besuch vor etlichen Jahren deutlich entwickelt.

Am Sonntagmorgen um 09:30 Uhr ablegen und mit Motor bis um die Nordspitze von Vilm, dann wurden die Segel gesetzt. Vilm ist heute Naturschutzgebiet und diente zu Zeiten der DDR als Refugium für die obersten Politik- Größen. Unter Segel ging es dann weiter bis vor die Einfahrt von Sassnitz. Unterwegs wurden wir von einem Seenebel überrascht, der sich langsam auf uns zu bewegte. Das Radar wurde sofort aktiviert und verstärkt Ausguck gehalten. Das Radar erwies sich allerdings als funktionsuntüchtig , denn es gab keine brauchbaren Signale, selbst als ein dicker KÜMO (Küstenmotorschiff) an uns in weniger als 1 sm vorbei fuhr. Es war also ein Fehler, das Radar nicht bei der Übergabe zu überprüfen.

Der Hafen Sassnitz ist im Augenblick für Yachten nur als „Nothafen“ zu bezeichnen. Die neue Marina, erst kurz vorher erstellt, hatte keine Betriebsgenehmigung, weil die Bauvorschriften nach gültigem Recht nicht eingehalten wurden. So war die Anlage gesperrt und zu einem Refugium für Möwen geworden. Man kann sich fast ausmalen, dass in nicht allzu weiter Ferne hier der Naturschutz eine Vogelkolonie ausruft . Die Yachten mussten an der Ost- Mole festmachen und die Segler hatten einen halbstündigen Marsch zu den spärlichen Sanitäranlagen zurückzulegen. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Crews nach einfacheren Wegen gesucht haben, was sich auch im Außenbereich der Mole bestätigte. Auf eine Besichtigung von Sassnitz wurde verzichtet. Sassnitz ist ein idealer Hafen für die Übersegelung nach Bornholm und daher muss man Unannehmlichkeiten leider in Kauf nehmen.

In Sassnitz wurde früh gegen 06:30 Uhr abgelegt, denn wir hatten eine größere Distanz an diesem Tag zu bewältigen. Wir waren aber keineswegs die Ersten! Bei erst recht wenig Wind ging es an den Kreidefelsen vorbei bis dann gegen 08:15 Uhr genug Wind aufkam, um die Segel zu setzen. Bei halben und raumen Wind ging es dann unerwartet zügig gen Bornholm. Nachmittags frischte es weiter auf, sodass das erste Reff eingebunden wurde. Um 16:10 Uhr wurde vor der Hafeneinfahrt Norrekas, der nördliche Yachthafen von Rönne, der Motor gestartet und um 16:20 Uhr am Steg nach 52 sm festgemacht. Wir ergatterten noch eine der wenigen freien Liegeplätze für unsere Pauli, die mit fast 4 Metern Breite nicht soviel Auswahl hatte.

Dienstag und Mittwoch wurden Hafentage eingelegt, dies nicht zuletzt wegen der Windmeldungen, die Wind aus West in Stärken von bis zu 7-8 vorhersagte. In dieser Zeit hat auch keine andere Yacht den Hafen verlassen. Eine Stadtbesichtigung von Rönne, der Hauptstadt von Bornholm, führte durch die zum Teil engen Gassen mit den typischen bunten Häusern und erstreckte sich von den schwedischen Holzhäusern, die das Land Schweden nach dem Krieg geschenkt hatte, am Museum mit dem Luftschutzbunker vorbei über den Marktplatz zur Kirche (Sct. Nikolaj Kirke) und Fährhafen . Im Fährhafen beobachteten wir einen Einhandsegler, der von Rügen bei diesem Wind noch eingelaufen war und halfen bei den Leinen und Festmachen.

Eine Busfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln um die Südhälfte der Insel folgte am nächsten Tag am Bornholmer Flughafen vorbei nach Snogebaek und Svaneke, wo wir jeweils einen Zwischenstopp einlegten. Snogebaek ist ein kleiner beschaulicher Fischerort mit dem kleinen Hafen, der über eine Seebrücke mit dem Land verbunden ist, eine Fischräucherei mit den typischen weißen Kaminen und Restaurants und Geschäften mit typischen kunsthandwerklichen Erzeugnissen der Insel aus Glas und Keramik. Ein Bornholmer (Räucherfisch) und danach ein ökologisches Eis standen auf dem Speiseplan. Dann ging es über die Brücke zum Fischerhafen, der auch einige Plätze für kleinere Yachten bietet. An einem Rasttisch im Grünen mit Blick auf die See wurde ein gemütliches Picknick eingelegt. Am Strand entlang und dann durch die Ortschaft mit typischen Ferienhäusern, die auch im Wald gelegen waren, ging es zurück zur Bushaltestelle und dann weiter mit dem Linienbus vorbei an dem dreibeinigen Wasserturm, dem Wahrzeichen von Svaneke in die Hafenstadt Svaneke. Svaneke, eine idyllische Hafenstadt voll Charme und Gemütlichkeit ist die kleinste Stadt Dänemarks, die seinen historischen Charakter voll erhalten hat und dadurch auch ein Tourismusmagnet ist. In Svaneke befindet sich die einzige Brauerei auf der Insel im Bryghus mit seiner schönen Hofeinfahrt. Nach ausführlicher „Begehung“ des Hafenterrains und einem Besuch des schön gelegenen Restaurants Siemsens Gaard am Hafen mit Terrasse und Blick auf den Hafen und die See besuchten wir eine Glasbläserei und beobachteten die Herstellung einer Vase. Eine Ortsbesichtigung schloss den schönen Nachmittag ab und es ging dann mit dem Linienbus wieder zurück nach Rönne.

Am Mittwoch folgte dann eine Busfahrt in die Nordhälfte der Insel zur Festung Hammershus. Hammershus ist in jedem Fall sehenswert. Man wird mit einem herrlichen Blick auf das Meer belohnt. Bei gutem Wetter kann man die Küste Schwedens sehen .
Sicherlich waren die Ausflüge an Land eine Bereicherung,, denn oft kommen bei den Seglern das Landesinnere und die kulturellen Sehenswürdigkeiten zu kurz.

Am Donnerstag war es dann soweit, das Wetter hatte sich etwas beruhigt, es stand aber noch eine gute Welle aus West vor der Hafeneinfahrt und Gischt ging zeitweise über die Mole. Der Wind sollte auf West 5-6 abschwächen , sodass das Auslaufen auf den Nachmittag festgesetzt wurde Um 14:30 Uhr wurde abgelegt, in Abdeckung der Hafenmole das Groß mit Reff gesetzt und dann mit Maschine fast gegen den Wind ausgelaufen. Einige Male stampfte der Bug etwas ruppig in ein Wellental. Der Kurs war so zu halten, dass das ca. 1 sm entfernte Riff im Norden gut frei gehalten wurde. Hier kommt es immer wieder zu Strandungen in dem nur 1 Meter tiefen Wasser über dem Riff. 20 Minuten später hatten wir genug Seeraum, um dann noch die Fock mit einem guten Reff zu setzen und unter Segel weiter Kurs Allinge um die Nordspitze von Bornholm, vorbei an Hasle und der Festung Hammershus zu nehmen. An der Ostseite der Insel wurde es dann deutlich ruhiger und wir konnten um 18:00 Uhr in Allinge am Kai festmachen. Es lagen nur wenige Gastyachten im Hafen. Die Sanitäreinrichtungen wurden von beiderlei Geschlechts benutzt, so wie man es häufig in Dänemark vorfindet.

Am Freitag, den 13.06. wurde gegen 09:15 abgelegt und Kurs auf Christiansö genommen. Der Wind kam von achtern und so wurde nur mit der Genua gesegelt. Der Wind drehte und die Genua sollte auf Backbord geschiftet werden. Gerade in diesem Augenblick traf uns eine Bö und vermasselte das Manöver. Die Genua vertörnte sich und musste mit einigen Mühen, ohne dass ein Crewmitglied auf das Vorschiff musste, wieder aufgeklart werden. Gegen 13:35 machten wir dann fest im Naturhafen von Christiansö, wobei sich ein Fender von Bord gemacht hatte, der so nicht mehr durch Manöver geborgen werden konnte. Glücklicherweise trieb der Fender an Land und konnte wieder aufgefunden werden.

Christiansö und Frederiksö ,auch die Erbseninseln genannt, ist ein Ereignis auf diesem Törn gewesen. Christiansö ist eine ehemalige Festungsanlage, die komplett unter Denkmalschutz gestellt ist. Nur das Innenleben der Gebäude, die sich vollständig in staatlichem Eigentum befinden, darf modernisiert werden. Alles macht einen gepflegten Eindruck. Die Sanitäranlagen am Hafen sind erst vor kurzem modernisiert worden. Die Duschen befinden sich allerdings etwas abseits vom Hafen. Der Landgang über Christiansö und Frederiksö waren ein Genuss. Die Natur blüht jetzt im Juni in allen Farben, denn es ist noch ausreichend Feuchtigkeit vorhanden. Später im August wird es dann kritischer. Es kann sogar notwendig sein, dass Trinkwasser mit dem Schiff von Bornholm geliefert werden muss. Christiansö und Frederiksö sind nur mit einer schwenkbaren schmalen Fußgängerbrücke aus dem Jahr 1912 verbunden. Nur eine begrenzte Anzahl von Personen darf die Brücke gleichzeitig betreten. Spezielle Kettenfahrzeuge sind auf Christiansö zu sehen mit denen die Frachtlieferungen vom Kai in den Ort gebracht werden, denn die Wege sind zum Teil sehr steil. Die Bilder zeigen den großen Turm auf Christiansö, der mit einem Leuchtfeuer ausgestattet ist und den kleinen Turm auf Frederiksö. Man sieht auch die Festungsanlagen mit den historischen Kanonen, die die Hafeneinfahr sichern sollten und die Gärten mit Zisternen und Wällen aus Naturfelssteinen gegen den Wind, der den dünnen Boden auf dem Fels nur zu schnell austrocknet. Zu Christiansö gehören noch weitere kleine Felseninseln, die aber ausschließlich dem Naturschutz dienen und nicht betreten werden dürfen.

Am nächsten Morgen gegen 8.00 Uhr wurde abgelegt und nach dem Verlassen des Hafens die Segel gesetzt. So ging es zügig bis vor die Hafeneinfahrt Nexö, wo einige Marineschiffe vor Anker lagen. Nexö ist der größte Fischereihafen auf Bornholm. Die Sportboote haben hier allerdings keine hohe Priorität. Es gibt Sanitäranlegen (Unisex), die aber auch von den Sportanglern, die mit eigenen Booten von Polen kommen, genutzt werden. So ist Nexö neben der Fischerei auch ein Anlaufhafen für „Lustfahrten“ aus Polen geworden. Wir hatten den Hafen Nexö gewählt, weil er auch ein günstiger Ausgangshafen für die Rückreise nach Rügen darstellt.

Von Nexö ging es dann am nächsten Morgen gegen 05.20 Uhr los, denn wir hatten eine gute Distanz an diesem Tag zu bewältigen. Ziel war Lohme, ein kleiner Hafen an der Steilküste von Rügen , N-W von Sassnitz. Zunächst musste gekreuzt werden, der Wind drehte weiter und erst nach Umrundung der Südspitze von Bornholm (Duodde) wurde die Windrichtung etwas günstiger. Auf mehr als halber Distanz , Rügen konnte man schon erkennen, kam uns eine Gewitterregenfront entgegen. Alle an Deck legten Ölzeug an und warteten auf das Ereignis. Nach der Wetterfront hatte sich der Wind abgeschwächt und man konnte erkennen, dass bei dieser Geschwindigkeit unsere voraussichtliche Ankunft nach Mitternacht sein würde. So wurde der Motor angelassen und die Segel geborgen. Mit Kurs 255° ging es dann direkt auf unser Ziel zu. Später kam noch einmal eine Gewitterfront über uns hinweg. Um 21.05 machten wir fest in Lohme nach 72 sm, davon 27 sm unter Motor.

Der eigentliche Hafen Lohme ist von See aus schwer auszumachen, wenn nicht die Sendemasten oben auf der Kante als gute Markierung genutzt werden könnten Der freundliche Hafenmeister hatte schon sein Büro geschlossen, aber er brachte uns noch den Schlüssel für die Anlage zum Schiff. Vom Hafen Lohme führt eine Treppe mit 224 Stufen an der Steilküste hoch zum Ort Lohme mit seinen Pensionen, kleineren Hotels und dem Dorfsupermarkt. Preisschilder an der Ware sind zum Teil noch von Mitropa, der Schlaf- und Speisewagengesellschaft der DDR- Reichsbahn. Wir kauften dort unsere Proviantergänzung für den nächsten Tag, vor allen Dingen die Frischwaren. Der Ort selbst wirkt etwas verschlafen, ist sicherlich für Ruhebedürftige die richtige Wahl.

Nach dem Verstauen des Einkaufs und Aufklaren des Schiffes wurde gegen 10:30 Uhr abgelegt. Die meisten Yachten waren bereits ausgelaufen. Unter Segel ging es nun bei SW-W 4 auf Kap Arkona zu, der bekannten Steilküste von Rügen. Um das Kap herum frischte der Wind weiter auf und die Welle nahm entsprechend zu. Wir kreuzten mit je einem Reff in Fock und Gross gegen den Wind, immer bis auf 10 Meter Wassertiefe vor die Küste und dann wieder raus in die Ostsee. So ging das erst mal für drei Stunden, bis wir die richtige Höhe hatten, um das Fahrwasser zwischen Rügen und Hiddensee anzusteuern. Vor der ersten Fahrwassertonne wurden die Segel geborgen und mit dem Motor ging es weiter durch die engen Fahrwasser. Es sollte nach Kloster, dem nördlichsten Hafen auf Hiddensee gehen.

Leider kam es nicht dazu, denn in Höhe Lange Ort kamen wir im versandeten Fahrwasser fest. Die Mannschaft wurde unter der Backbordsaling versammelt und der Baum ausgefahren, um das Schiff zu krängen, und mit der Maschine in tieferes Wasser zu gelangen. Auch der Schwell vorbeifahrender Wassertaxis konnte uns nicht wirklich helfen. Die Zeit verging wie im Fluge. Wir kamen nicht mehr aus eigener Kraft frei. (GPS: N 54° 34,421; E 13°07,896) (Anm: In einem Fernsehbeitrag im Juli über Hiddensee wurde das Versanden des Fahrwassers auch angesprochen. Nach scheinbar endlosen Eigenbemühungen wurde der Hafenmeister von Vitte angerufen. Alle bis dahin vorbeifahrenden Schiffe und Boote wollten oder konnten uns keine Hilfe leisten. Dann kam ein Schlauchboot von Kloster mit Außenborder zufällig vorbei, die uns helfen wollten und unseren Anker in Richtung tieferes Wasser ausbrachten. Leider rührte sich unser Schiff bei dem Versuch, den Anker einzuholen keinen Zentimeter. Die elektrische Winsch war eben zu schwach. Dann kam ein offenes Fischerboot von Vitte mit einem Fischer an Bord, der sich in diesem Geschäft wohl gut auskannte. Er bot uns Hilfe an: „bei Erfolg 50 €“. Wir willigten natürlich ein. Zunächst wurde der Anker wieder eingeholt, indem der Fischer die Ankerkette bei uns hochnahm und dann die Kette über sein Boot führte und gleichzeitig in Richtung Anker fuhr. Sodann konnte er den Anker hochnehmen und bei uns an Bord konnte die Ankerkette wieder in den Kasten eingeholt werden, während das Fischerboot mit dem Anker zu uns kam. Als nächste Maßnahme wurde eine Trosse am Mastfuß angesteckt (natürlich nicht auf eine Klampe!) und der Fischer zog mit allen Kräften, ohne Erfolg. Sodann wurde die Dirk vom Baum ausgeschäkelt und mit einer dafür vom Fischer bereitgehaltenen Leine verbunden. Nun fuhr der Fischer leicht nach Steuerbord voraus und krängte unsere Yacht, damit der Kiel hochkam, der Tiefgang verringert wurde und das Schiff vom Grund freikam. Das klappte dann auch und nach dem dritten Anziehen waren wir wieder frei im tieferen Fahrwasser. Der vereinbarte Lohn wurde übergeben und dann ging es jetzt aber im Fahrwasser zurück und in den Hafen Vitte -Lange-Ort, wo wir gegen 19:30 Uhr an LP 66 fest machten.

Der Sporthafen Lange-Ort wird privat geführt. Wir hatten erst mal genug an Bord zu tun und mußten uns von dem Erlebnis erholen, mental wie auch körperlich. BenH. hatte eine Kneipe gefunden, wo er ein Spiel der Fußball-Europameisterschaft verfolgen konnte. Am nächsten Morgen ging es zu Fuß auf dem Seedeich in den Ort Kloster, ein Ort, der seine Ursprünglichkeit weitgehend erhalten hat mit zum Teil reedgedeckten Häusern und Sandwegen. Der Hafen bietet eine überschaubare Anzahl von Liegeplätzen für Yachten, ist in seiner Art aber vorzugsweise dem Fährverkehr und Behördenfahrzeugen vorbehalten. Eine nicht zu übersehende Wasserstandsanzeige machte auf die problematischen Verhältnisse aufmerksam. Das ehemalige Sommerdomizil des Dichters Gerhart Hauptmann in Kloster war auch zu sehen und stand den Touristen als Museum offen. Auf einem Weg im Inneren der Insel ging es dann zurück. Pferdefuhrwerke kamen uns in beiden Richtungen entgegen. Eine Kurzvisite im Haus des National Parks und dann weiter zurück in den Ort Vitte mit seinen guten Einkaufmöglichkeiten. Diesmal gönnten wir uns auch frische Erdbeeren. Nach dem Mittagessen hieß es Leinen los. Zur Sicherheit wurde noch das Seewasserfilter für den Motor überprüft und gereinigt. Es war aber kaum verschmutzt. Leinen los und mit Motor aus der Box. Die Auspuffgeräusche hörten sich aber sehr unnormal, eher wie bei einem durchgerosteten Autoauspuff, an. Da konnte etwas nicht stimmen. Der Kühlwasserausstoß wurde kontrolliert und Alarmstufe 1, es kam kein Kühlwasser. Sofort zurück in die Box und nach der Ursache geforscht. Alle Befestigungen waren o.k. Im Handbuch zum Schiff gab es einen Hinweis: Der Motor solle nach dem Filterreinigen zweimal kräftig im Leerlauf auf Vollgas geschaltet werden. So getan, gab es wieder das beruhigende Geräusch des ausgespritzten Kühlwassers zu hören. Offensichtlich saugt die Pumpe nicht, wenn etwas Luft im System ist. Nun erneutes Ablegen und unter Motor durch die kritischen Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen Richtung Süden nach Stralsund. Nach zwei Stunden unter Motor wurde dann bei günstigeren Wasserverhältnissen die Genua gesetzt und es ging so weiter im Strelasund bis vor die Hafeneinfahrt von Stralsund. Zuerst kam die neue Rügen-Brücke mit der Silhouette von Stralsund in Sicht . Um 17:35 Uhr fest am LP 712 in der City-Marina von Stralsund, die sich an der Nordmole des Stadthafens befindet . Von dort hatte man alles im Überblick, die neue Rügen-Brücke, die alte Ziegelgrabenbrücke, das Museumsschiff Gorch Fock I und vieles mehr., nicht zuletzt auch ein Kutter mit Fish and Ships und anderen Fischgerichten, den wir dann auch mal aufsuchten. Jeden Mittwoch findet in der Saison eine Regatta im Strelasund vor Stralsund statt, an der jeder Interessierte mit seiner Yacht teilnehmen kann. Der Start erfolgte in 3 Gruppen, weil sich so viele Teilnehmer gemeldet hatten. Eine Stadtführung und Stadtbesichtigung rundeten den Besuch in Stralsund ab. Auf einen Besuch des Meeresmuseums wurde verzichtet, denn man hörte, dass die Eröffnung des neuen Ozeaneums im Juli kurz bevor stand und die Ausstellung im Meeresmuseum nicht mehr so umfassend wie früher sei.

Am Donnerstag ging es schon etwas früher los, denn die Ziegelgrabenbrücke wird relativ selten geöffnet. So mussten wir uns gegen 8:20 Uhr vor der Brücke einfinden, wo schon eine ganze Anzahl von Yachten warteten. Nach Passage der Brücke ging es noch zunächst unter Motor weiter im Strelasund. Dann wurden Segel gesetzt und mit guter Fahrt ging es Richtung Greifswalder Bodden. Nach Passage der Wiecker Brücke ging es unter Motor weiter im Ryck nach Greifswald. Nach dem Auftanken und Aufklaren ging es dann in die Stadt und zum Abschluss in ein feines Restaurant zum Abschiedsessen.

Am nächsten Morgen dann Ausscheck, Schiffsübergabe und Heimreise.

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